von Tanja Dränert
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21. März 2025
Wie schön ist es im Frühjahr, wenn die ersten Blumen die Natur in ein buntes Kleid hüllen, welches von Monat zu Monat farbenprächtiger wird. Die erste des Frühlings ist die Schlüsselblume, zumindest laut ihrem lateinischen Namen „Primula veris“. Und so spitzt sie auch meist pünktlich zur Frühlingstagundnachtgleiche ihre Blütenköpfchen hervor. In der Heilkunde wird sie übrigens bei Husten und Schnupfen eingesetzt aufgrund ihrer schleimlösenden Wirkung. Wie passend, ist doch häufig nach der dunklen Winterzeit das Immunsystem angegriffen und die wechselhaften Temperaturen im Frühling enden bei so manchen in einer Erkältung. Ihren volkstümlichen Namen trägt sie, da ihr Wuchs an einen Schlüsselbund erinnert. Auch als Himmelsschlüssel wird sie bezeichnet, was sogar bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt und belegt werden kann. In der christlichen Tradition hat Petrus die Gewalt über die Himmelsschlüssel. Der Sage nach sollen die Schlüsselblumen dort wachsen, wo er seine Schlüssel hat fallen lassen. Gehen wir weiter zurück in die germanische Mythologie, so treffen wir Freya, die große Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Sinnlichkeit und des Glücks. Sie trug den Schlüsselbund mit dem man alle Türen, Tore und Truhen öffnen konnte, symbolisiert in der Schlüsselblume. Als Frühlingsgöttin schloss sie mit ihren Schlüsseln das Tor für den Frühling auf. Und womöglich verlieh die Schlüsselblume auch umgekehrt Zugang in das Reich der Freya mit ihren Schätzen? Laut Volksmund steht die Schlüsselblume für Wohlstand, Reichtum, Glück und Schutz. Auch die Naturwesen waren ihr besonders zugetan und sie stand unter der Obhut der Elfen, worauf ihr englischer Name „fairy cup“ (Elfenbecher) heute noch hinweist. Es heißt, eine Schlüsseljungfrau soll einen Schlüssel in ihrer goldenen Krone tragen, mit dem sich verborgene Schätze finden ließen. Ist Freya diese Schlüsseljungfrau? Könnte es sich bei den Schätzen im Reich der Freya um Liebe, Fülle und Mut handeln? Die Mythologie erzählt von Freya als freie Frau, als Liebesgöttin, die anmutig und zugleich kämpferisch war. Sie war die Göttin des Wohlstands und der Fruchtbarkeit. Sie setzte ihre Schönheit, Sanftmut und die Stärke der Liebe ein, um ihre Ziele zu erreichen. Bringt uns die Schlüsselblume diesen Qualitäten in uns näher? Laut Hildegard von Bingen erhält sie die Kraft von der Sonne und hält deshalb im Menschen die Melancholie nieder. Sie ist also ein echter Herzensöffner. Und genau dort ist es, wo sich unsere wahren Schätze befinden. In unserem Herzen.